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Pressespiegel

 

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Eltern erwarten von der Schule, was nur ein Internat bietet

Das Internat hat eine pädagogisch wichtige Innovationsfunktion: Es erprobt als Institution mehr fürsorgliche Aufgaben als der besten Tagesschule bisher zugemutet wird. Als einzige Schulform kompensiert das Internat das längst öffentlich gewordene Fürsorgedefizit in unserer Gesellschaft, so der Bonner Pädagoge Volker Ladenthin auf der Tagung der Internatsleiter der Evangelischen Internate in Deutschland (EID) am 17. Mai 2003 in Königsfeld.

„Wenn die Schülerzahlen in den Internaten zurückgehen, liegt es jedenfalls nicht am fehlenden Bedarf.“

Ladenthin begründete seine These mit den zunehmenden beruflichen Sachzwängen, die in ganz anderer Weise Mobilität von den Familien verlange. Unsere Gesellschaft bringe Berufe und Lebensweisen mit sich, die für Jugendliche und Kinder nicht eben günstig seien.

Wer heute bei einem der global players der Wirtschaft eine Lehre beginne, wisse nicht, in welchem Teil der Welt er als Meister tätig werde. Auch ein Flugzeugkapitän, ein Chemiereferent, ein Handelsvertreter, technische Mitarbeiter einer Baufahrzeugfirma seien ebenfalls unter der Woche nicht zu Hause. Auch die Berufstätigkeit von Frauen sei oft wirtschaftlich notwendig oder aus guten Gründen gewollt. Auf diese für die Erziehung von Kindern schwierigen Rahmenbedingungen mit dem völligen Verzicht auf Kinder und Familie zu reagieren, sei nicht richtig. Vielmehr benötigten diese Familien Hilfen bei der Erziehung ihrer Kinder, die eine Tagesschule in der Regel nicht bieten könne. Michael Ley und Herbert Fitzek, Psychologen des Institutes für Erziehungswissenschaften der Universität Bonn und Mitarbeiter von Professor Ladenthin wiesen darauf hin, dass auch neue und ungewöhnliche Familienstrukturen eher zunähmen. Neue Partner, Halbgeschwister, alte Väter, junge Mütter oder große Abstände zwischen Geschwistern schüfen manchmal Bedingungen, die für Kinder nicht immer günstig seien. Hier seien Internate gefragt. Sie entlasteten Eltern, wenn die Betreuung der Kinder schwierig geworden sei.

Das Internat sei zwar eine Besonderheit im Regelschulsystem, so Ladenthin, doch forderten die Eltern in der Regel von den Schulen, was nur ein Internat leisten könne, nämlich die Förderung besonderer Begabungen, die Hilfe bei Teilleistungsschwächen, eine Entlastung bei der Erziehung ihrer Kinder, deren Erziehung sie emotional überforderten, denen sie bei den Hausaufgaben nicht mehr helfen können, deren Interessen in der Familie nicht befriedigt oder deren Interesselosigkeit nicht behoben werden könne.

Die Tagesschule könne diese Erwartungen kaum erfüllen, Internate hingegen schon. Das wohnortnahe Wocheninternat, dessen Schülerinnen und Schüler an jedem Wochenende zu Hause seien, werde schon bald eine hoch akzeptierte Schulform, so die These Ladenthins.

Horst Heller


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Buchempfehlungen

  • Der große Internate-Führer 2006/2007. Das Internate-Handbuch für Eltern und Schüler. Herausgegeben von Manfred Klemann, Silke Mäder, Unterwegs-Verlag, Singen 2006

  • Das Internat. Aufgaben, Erwartungen und Evaluationskriterien, Michael Ley, Volker Ladenthin, Herbert Fitzek, Institut für Qualitative Bildungsforschung, Bonn 2004

 
letzte Aktualisierung 26.04.2013