Über uns
Internate

Herzlich Willkommen auf der
Homepage der Evangelischen Internate!

Auf diesen Seiten informieren wir Sie über die Angebote der Evangelischen Internate in Deutschland.

 

"Wenn es evangelische Internate nicht schon gäbe, müssten sie jetzt gegründet werden"

Der Verband EID - Evangelische Internate in Deutschland – wurde im Jahr 2000 als Teil der Arbeitsgemeinsachft Evangelischer Schulbünde gegründet. Er vertritt etwa 40 evangelische Internate in Deutschland. Diese Internatsschulen werden von Evangelischen Kirchen, Stiftungen und Vereinen getragen.

Auf unserer Webseite finden Sie eine passende evangelische Schule mit Internat aus dem breiten Spektrum vom traditionsreichen Gymnasium über eine spezielle Fachschule oder eine individuelle Förderschule für Legastheniker. Viele Schulen betreiben eigene Seiten im Netz, die Sie anschließend genauer informieren.

Evangelische Internate gibt es in allen Regionen Deutschlands. Hier sehen Sie, wo es Evangelische Internate gibt, und Sie können direkt auf die Homepage der jeweiligen Internate gelangen.

Wünschen Sie eine telefonische Beratung, so können Sie sich gerne an unsere Internatsberatung unter der Rufnummer 0700/INTERNAT (0700/46837628) wenden, wo wir Sie individuell über unsere Internate beraten.

 

Über das Leben in Evangelischen Internaten informieren wir Sie gerne anhand der nachfolgenden Artikel:

Warum Internat?
Schulpsychologischer Dienst des Rheinisch-Bergischen Kreises

Die Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Internate in Deutschland äußert sich zu Kindesmissbrauch in Internaten.
Nach dem Bekanntwerden von immer mehr Missbrauchsfällen an Schulen bemühen sich auch evangelische Internate derzeit um die Aufklärung eventueller Übergriffe. Betroffene sollen motiviert werden, sich zu melden. So äußerte sich der Vorsitzende der Evangelischen Internate in Deutschland, Internatsleiter Arnd Rutenbeck zu den Pressemitteilungen gegenüber epd.

Gründe für eine Internatsaufnahme

In England darf man aufs Internat, in Deutschland muss man.
Der Bonner Pädagoge Volker Ladenthin untersucht, welche Erwartungen Eltern an evangelische Internate haben


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Warum Internat?

Schulpsychologischer Dienst des Rheinisch-Bergischen Kreises

Es gibt viele Gründe, warum ein Internat in Frage kommen kann. Niemand wird sich – alleine schon wegen der Kosten – die Entscheidung leicht machen.

Die Familie, in der ein Kind normalerweise (auch in seiner schulischen Entwicklung) aufwächst, ist möglicherweise zerfallen. Das kann sehr verschiedene Gründe haben: Scheidung, berufliche Überlastung der Eltern, Krankheit oder Tod eines Elternteils... Alles keine Gründe, die Nase zu rümpfen, denn in solchen Fällen kann ein Internat die richtige Lösung sein.

Das Kind ist zuhause in eine ungute Gesellschaft geraten, und es ist sinnvoll, die Schülerin oder den Schüler zumindest für eine Zeit aus der heimischen Umgebung herauszuhalten. Auch das kann ein guter Grund sein, nach einem passenden Internat zu suchen.

Gute Internate sorgen ja nicht nur für bestimmte Bildungsangebote, sondern sehen ihre Aufgabe auch im erzieherischen Bereich. Internatsschülerinnen und -schüler lernen das Leben in der Gemeinschaft, was auch  Einschränkungen und Anpassungen erfordert. Die Übernahme von Verantwortung, der Respekt vor dem Mitmenschen und die Anstrengung zum Erreichen eines guten Zusammenlebens gehören zu den Erziehungszielen von Internaten.

Manchmal bieten Internate besondere Bildungsangebote, z.B. für Kinder von Aussiedlern. Es gibt auch Internatsschulen, die sich der Förderung von Kindern mit besonderen Begabungen verschrieben haben. Das kann allgemeine «Hochbegabung» sein, das können aber auch besondere Begabungen im sportlichen oder musischen Bereich sein. Andere Internate widmen sich der speziellen Förderung von Kindern mit Teilleistungs- schwächen oder auch Verhaltensauffälligkeiten.

Ein Internat darf nie als Drohung gegenüber Kindern eingesetzt werden. Schülerinnen und Schüler, die den Übergang auf ein Internat als Strafmaßnahme erleben, werden sich dort nicht wohlfühlen können, und das Internat hat in solchen Fällen schlechte Chancen, seinem Erziehungsauftrag gerecht werden zu können.

Niemals soll ein Kind gegen seinen erklärten Willen auf ein Internat geschickt werden. In langer schulpsychologischer Erfahrung hat man genug Fälle erlebt, in denen ein Kind, das gegen seinen Willen in ein Internat gesteckt wurde, dort durch entsprechendes Verhalten den schnellen «Herauswurf» provoziert hat.

Manche Eltern (besonders häufig diejenigen, die selber auf dem Internat waren) halten ein paar Jahre Internatserziehung für sehr wesentlich für die Entwicklung ihrer Kinder, eben weil dort gelernt wird, in einer Gemeinschaft zurechtzukommen. Das ist ein respektabler Beweggrund. Aber man sollte seine Tochter oder seinen Sohn schon sorgfältig und vorsichtig einschätzen; es gibt einfach Kinder, denen Internat gut tut, und es gibt solche, die derart auf Familienbindung angewiesen sind, dass sie ein Internat höchstens «aushalten» werden.

http://www.schulpsychologie.de/downloads/wallberg/internat.pdf


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16.03.2010

Die Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Internate in Deutschland äußert sich zu Kindesmissbrauch in Internaten.

Nach dem Bekanntwerden von immer mehr Missbrauchsfällen an Schulen bemühen sich auch evangelische Internate derzeit um die Aufklärung eventueller Übergriffe. Betroffene sollen motiviert werden, sich zu melden. So äußerte sich der Vorsitzende der Evangelischen Internate in Deutschland, Internatsleiter Arnd Rutenbeck zu den Pressemitteilungen gegenüber epd.

"Wir wollen offensiv für Klarheit und Transparenz sorgen", sagte Rutenbeck. Mehrere Internate seien dabei, ehemalige Schüler anzuschreiben. Sie sollten motiviert werden, sich zu melden, falls es Vorfälle gegeben habe.

Einrichtungen, in denen es zu Missbrauch gekommen sei, seien zur Wiedergutmachung verpflichtet, betonte Rutenbeck. Das Mindeste sei die Übernahme von möglichen Therapiekosten. Für eine entsprechende Finanzierung müsse gesorgt werden. Wenn die Verjährungsfrist abgelaufen sei, habe sich die Institution, in der der Missbrauch geschehen sei, um die Opfer kümmern.

"Ein Fall von Mißbrauch ist nicht einfach wieder gut zu machen", so der Internatsleiter. "Wir können die Opfer nur um Vergebung bitten und gemeinsam schauen, wie solche Taten entschädigt werden können. Hier muss individuell jedes Opfer zu Wort kommen können."

Der "Arbeitskreis Internate" in der Arbeitsgemeinschaft freier Schulen suche derzeit nach einer "kompetenten, neutralen Stelle", an die sich Missbrauchsopfer wenden könnten, sagte der geschäftsführende Leiter des evangelischen Internats im niedersächsischen Dassel weiter. Als einzige evangelische Schule sind bislang Missbrauchsfälle im badischen Internat Gaienhofen bekannt geworden. Insgesamt gibt es derzeit rund 40 evangelische Internate in Deutschland, die von Landeskirchen, Stiftungen oder Vereinen getragen werden.

Sexueller Missbrauch müsse strafrechtliche Konsequenzen für den Täter nach sich ziehen, forderte Rutenbeck. "Auf keinen Fall dürfen wir den Deckmantel der Liebe über alles breiten." Es sei das falsche Signal, Mitarbeiter zu schützen und ihnen eine zweite Chance zu geben, indem man sie an einen anderen Ort versetzt, so der Pädagoge mit Blick auf eine offenbar jahrelang vielfach gängige Praxis in kirchlichen Einrichtungen. Die Täter dürfen nie wieder eine Gelegenheit erhalten, mit Kindern und Jugendlichen zu arbeiten.

In Zukunft müssten Lehrer "viel viel sensibler sein" und viel genauer hinschauen, forderte der Pädagoge. Aufgabe der Schulen sei zudem die Stärkung der Persönlichkeit. "Wir müssen Schülerinnen und Schüler stark machen, Nein zu sagen", so Rutenbeck: "Nein zum Rauchen, zu Drogen und auch Nein, wenn Handlungen an ihnen vollzogen werden sollen." Außerdem seien neutrale Vertrauenspersonen notwendig, die auch für Missbrauchsproblematiken ansprechbar seien.


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Gründe für eine Internatsaufnahme

  • Suchen Sie eine Alternative zur staatlichen Schule, da Ihr Kind dort nicht ausreichend gefördert wird?
  • Will Ihr Kind seinen Freundeskreis erweitern?
  • Wird die richtige Schulform für Ihr Kind am Wohnort nicht angeboten?
  • Steht Ihr Kind vor neuen Herausforderungen?
  • Möchte Ihr Kind seine sportlichen und musischen Hobbys mit dem Schulalltag verbinden?
  • Sind Sie beruflich stark gefordert und es fehlt Ihnen die notwendige Beaufsichtigung und Betreuung?
  • Braucht Ihr Kind kleine Klassen und intensive Betreuung?


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In England darf man aufs Internat, in Deutschland muss man

Der Bonner Pädagoge Volker Ladenthin untersucht, welche Erwartungen Eltern an evangelische Internate haben

Dass Harry Potter am Ende seiner Schulferien immer ziemlich glücklich Richtung Hogwarts aufbricht, hängt sicherlich mit seinen nicht besonders netten Stiefeltern zusammen. Seine Freunde Ron und Hermine fühlen sich dort aber ebenfalls ganz wohl, und wenn man Enid Blyton glauben darf, schmeckte auch Hanni und Nanni (nach anfänglichen Problemen) das Leben auf dem Lindenhof.

Hierzulande gelten Internate dagegen oft als ein letzter Ausweg, mit dem Mama und Papa ihren lernschwachen oder aufmüpfigen Sprösslingen besser drohen können als mit dem Schwarzen Mann. "In England darf man aufs Internat", sagt Volker Ladenthin, Pädagogik-Professor an der Universität Bonn, "in Deutschland muss man."

Dabei sollten die Schulen mit ihrer "Rund-um-die-Uhr-Betreuung" voll im Trend liegen. Gerade Doppelverdiener haben mitunter Schwierigkeiten, sich nachmittags angemessen um ihre Kinder zu kümmern. "Mein Standard-Beispiel sind der Flugkapitän und die Krankenschwester mit zwei Kindern", erklärt Professor Ladenthin. "In dieser Konstellation kann ein Internat für die Kinder die beste Lösung sein." Dennoch sind die Schülerzahlen seit Jahren rückläufig.

Der Wissenschaftler hat zusammen mit den Psychologen Dr. Herbert Fitzek und Michael Ley untersucht, welche Erwartungen Eltern an kirchliche Internate richten. Denn auch diese haben mit Schülerschwund zu kämpfen, obwohl sich konfessionelle Schulen sonst wachsender Beliebtheit erfreuen. Am Image kann das nicht allein liegen: Bei einer Umfrage unter 66 Eltern, die ihre Kinder auf ein staatliches Gymnasium geschickt hatten, schnitt die Regelschule zwar besser ab und kam bei der globalen Attraktivität auf 67 von 100 Punkten. Das Internat erreichte aber immerhin noch 58 Punkte auf der Attraktivitäts-Skala. Unter 81 befragten "Internats-Eltern" fiel das Ergebnis mit 83:49 sogar eindeutig "pro Internat" aus.

In der Regel billigen Eltern Internaten also zu, ihre Arbeit gut zu machen - vielleicht sogar zu gut: "In zahlreichen Einzelgesprächen äußerten die von uns befragten Eltern immer wieder die Angst, ihre Kinder an das Internat zu verlieren", betont Professor Ladenthin. "Dazu kam die Sorge, gegenüber ihren eigenen Kindern und ihrer Umgebung als inkompetent dazustehen." …

Viele Eltern wünschen sich zudem, dass sich Verhalten oder Leistung ihrer Kinder verbessern. Paradoxerweise haben sie aber gleichzeitig Angst, ihre Kinder könnten sich verändern. "Dieser Entfremdungs-Aspekt ist ein ganz zentraler", sagt Ladenthin. "Die Eltern wollen, dass nicht der Mensch ins Internat geht, sondern nur der Schüler." …

Dazu passt, dass die Befragten mit dem Wort "Internat" am häufigsten ein Schloss assoziierten. "Eltern suchen nach einem abgeschiedenen Märchenschloss, dessen Mauern das Böse von ihren Sprösslingen fern halten." Das ist auch der Punkt, an dem die Befragten konfessionellen Internaten besonders hohe Kompetenz zubilligten: Religiöse Lehrer gelten als besonders verantwortungsbewusst.

Wenn sich die Internate in ihrem pädagogischen Konzept, aber auch ihrer Außendarstellung auf die Erwartungen ihrer Klientel einstellen, haben sie durchaus Chancen, im Wettbewerb der Schulformen zu punkten.

aus: http://www.uni-bonn.de/Aktuelles/Presseinformationen/2005/203.html


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Qualität, schwarz auf weiß. Erfolgreiche Evaluation evangelischer Internate

Von Horst Heller

Evangelische Internate machen gute Arbeit. Seit dem Februar 2009 ist dies sozusagen amtlich. Denn es liegen die Ergebnisse einer Befragung unter elf evangelischen Internaten vor, die in die Zufriedenheit von Schülern, Eltern und Mitarbeitern evangelischer Internate untersucht hat. Die Auswertung der Fragebögen hat einen Qualitätsnachweis erbracht. Jetzt beugen sich alle Beteiligten über die genauen Zahlen. Das Gute ist der Feind des Besseren, sagt das Sprichwort. Der Prozess der Qualitätsentwicklung hat erst begonnen.

Auf den ersten Blick schien es nur eine unübersichtliche Zahl statistischer Angaben zu sein, die da auf dem Schreibtisch der Internatsleiter lagen. Aber schon beim zweiten Hinsehen waren wichtige Aussagen möglich: 57 Prozent der Eltern begrüßen, dass das Internat ihres Kindes eine evangelische Einrichtung ist. 78 Prozent der befragten Schülerinnen und Schüler geben an, dass sie in ihrem Internat geeignete Hilfe bekommen um sich schulisch zu verbessern, und 62 Prozent der Schüler sind sich sicher: Im Internat arbeiten sie mehr für die Schule als vorher.

Die Befragung ist Teil einer Qualitätsoffensive, die die Evangelischen Internate in Deutschland vor zwei Jahren eingeleitet haben. Auf ihrer Jahrestagung in Berlin im Frühjahr 2006 beschäftigten sie sich erstmalig mit Modellen der Evaluation. Allen Teilnehmern war klar, dass die evangelischen Internate in Deutschland gute Arbeit leisten, aber es gab keine Möglichkeit, dies nachzuweisen. So machten sich die versammelten Internatsleiter daran, Kriterien zu erarbeiten, an denen gute evangelische internatsarbeit gemessen werden könnte. Sie entschieden sich für das international erprobte Evaluationsinstrument SEIS (Selbstevaluation in Schulen). Den SEIS-Fragebogen hatten bereits die Landerziehungsheime in aufwändiger Arbeit um einen Internatsteil erweitert, damit auch zu den Stärken und Schwächen der Arbeit von Internaten und Schülerheimen Daten erhoben werden könnten.

Für die Auswertung und Kommentierung der Ergebnisse, die zunächst um den Aspekt evangelischer Internatsarbeit erweitert wurden, fanden die evangelischen Internate das Institut für Schulentwicklung der Deutschen Sporthochschule Köln als Partner, die die Fragebögen ein weiteres Mal wissenschaftlich überprüften und die anonym gesammelten Daten auswerteten. Im Dezember waren die Fragebögen an Schüler, Eltern und Mitarbeiter versandt worden, nach weniger als zwei Monaten lagen bereits im Februar die Antworten vor.

Das Ergebnis: Die beteiligten evangelischen Internate erfüllen ihren Auftrag der Bildung und Erziehung junger Menschen auf der Grundlage des christlichen Menschenbildes gut. Bei fast allen Indikatoren lag die Zustimmung von Schülern, Eltern oder Mitarbeitern über 50%. Besonders hohe Zufriedenheitsnoten wurden den Internaten im Bereich der Selbstkompetenz, der sozialen Verantwortung und der Internatsgemeinschaft erteilt: Im Internat üben Schüler, Verantwortung für sich selbst zu übernehmen, lernen sich für Schwache einzusetzen, finden viele neue Freunde und stellen fest, dass sie etwas erreichen können, wenn sie sich wirklich dafür einsetzen. Auch ganz Praktisches kann jetzt belegt werden: Räumlichkeiten und Tagesablauf im Internat sind so gestaltet, dass Schülerinnen und Schüler gut lernen können. 66 Prozent der Schüler und 77 Prozent der Eltern sind davon überzeugt. Schüler im Internat sind in der Schule weniger blockiert, denn das Verhältnis zu ihren Lehrerinnen und Lehrern hat sich verbessert: 50 Prozent der Schüler und 63 Prozent der Eltern nehmen das wahr. Auch Familien profitieren von dem Internatsaufenthalt ihrer Kinder: 58 Prozent der Schüler, aber 80 Prozent der Eltern nehmen wahr, dass sich das Verhältnis zwischen Eltern und Kinder verbessert hat. Bei fast zwei Drittel aller Schüler sind auch die Noten besser geworden als sie vorher waren.

Die Arbeit der evangelischen Internate – eine Erfolgsgeschichte? Ja und nein. Fast nichts ist so gut, dass es nicht noch verbessert werden könnte. Die Zustimmungsraten zu den Indikatoren, die die Vernetzung zwischen Erziehern, Eltern und Schülern beleuchten, sind nicht überall gleich hoch. Womöglich werden verbesserte Dokumentationen der Gespräche und neue Beratungsangebote nötig sein, um die Abstimmung sichtbarer zu machen und zu verstärken. Denn wo evangelische internatsarbeit gelingt, da gelingt sie besser, wenn Eltern, Schüler und Mentor zusammenarbeiten.

Werden diese Ergebnisse nun in die Schublade gelegt, wo sie – gut gehütet – vergessen werden? „Nein“, sagt Gert Hilscher, Internatsleiter des Bodelschwingh-Gymnasiums in Windeck-Herchen: „Ein Qualitätszirkel wird sich mit den Ergebnissen beschäftigen und Vorschläge erarbeiten.“ Es gibt Stärken, die es auszubauen gilt, und Schwächen, die bearbeitet werden müssen. „Wesentlich an dieser Evaluation ist, dass sie in mehreren Internaten durchgeführt worden ist. „So ist auch abzulesen, wie die eigene Einrichtung im Vergleich der evangelischen Internate abgeschnitten hat“, sagt Hilscher, für dessen Einrichtung eine Evaluation nichts Neues ist.

Ähnlich sieht es Arnd Rutenbeck, Leiter des Evangelischen Internats Dassel in Niedersachsen, den die Ergebnisse nicht überrascht haben. Denn auch hier hat schon bisher Qualitätsmanagement stattgefunden. „Eine Steuerungsgruppe wird sich mit den Ergebnissen befassen und einen Arbeitsvorschlag machen, mit dem sich alle am Internatsleben Beteiligten an einem Klausurtag befassen.“

Das Internat des Trifels-Gymnasiums Annweiler in Rheinland-Pfalz hat die Ergebnisse umgehend ausgewertet und sowohl in einem dreiköpfigen Arbeitskreis sowie anschließend in der Erzieherkonferenz beraten. Zwei kurzfristige, zwei mittelfristige und zwei langfristige Qualitätsziele hat sich die Einrichtung vorgenommen.

Das Ergebnis der Evaluation ist ein Auftakt. Die beteiligten Internate wollen in zwei Jahren, wenn eine solche Evaluation ein weiteres Mal durchgeführt wird, an diesen Stellen noch besser abzuschneiden.

Und noch ein weiterer Wunsch bleibt offen: 25 Einrichtungen haben sich in diesem Jahr noch nicht an der EID-Initiative beteiligt, viele von ihnen setzen auf eigene Qualitätsprogramme. An der ersten gemeinsamen Evaluation evangelischer Internate haben sich erst 11 Einrichtungen beteiligt. Ein Ergebnis, das im Jahr 2011 steigern lässt.

Horst Heller in „klasse, die evangelische Schule“ Heft 1/2009.


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Annahme, Wertschätzung und soziales Lernen: Was evangelische Internate leisten.

Von Gert Hilscher

In den letzten Jahren haben sich in unserer Gesellschaft erhebliche Veränderungen ergeben, auf die unser Bildungs- und die Erziehungssystem noch kaum Antworten gefunden hat. Evangelische Internate bieten hier durch geistige Orientierung und ihr Angebot von Bildung und Erziehung aus einer Hand Kindern und Jugendlichen Lösungen und Chancen.

Die Eltern suchen im Allgemeinen nicht die Alternative zur Familie, sondern sie suchen die optimale Ergänzung, eine Einrichtung, in der Erziehung und Bildung stattfindet. Eine solche Ergänzung sind die evangelischen Schulen mit ihren Internaten. Sie wollen die Familie nicht ersetzen, sondern als stabilisierender und fördernder Faktor für Familien bzw. Kinder oder Jugendliche eintreten.

Auch wenn Eltern selten unmittelbar nach einer christlichen Erziehung suchen, wenn sie sich für ein evangelisches Internat entscheiden, so suchen sie doch Träger und Einrichtungen, denen sie vertrauen, die für Werte und geistige Orientierung stehen. Unsere Internate und Schulen sind in ihrem Konzept darauf ausgerichtet, der weltanschaulichen Vielfalt eine Erziehung gegenüberzustellen, die sich an den Kernaussagen des Evangeliums orientiert. Die evangelischen Internate sind damit auch heute eine Antwort der evangelischen Kirche auf die pädagogischen Herausforderungen und Bedürfnisse unserer Gesellschaft.

Unsere Internate sind keine bloßen Schülerwohnheime. Das Vermitteln von Schulabschlüssen und die Förderung des „Lernen-Lernens“ sind sicher wichtige Aufgaben der Internate. Darüber hinaus haben sie aber auch einen eigenen, weiterreichenden pädagogischen Anspruch. So hat das „soziale Lernen“ einen hohen Stellenwert in der konzeptionellen Ausrichtung der Internate.

Kinder erhalten in unseren Einrichtungen eine gute schulische Ausbildung und lernen außerdem das, was von ihnen im späteren Berufsleben in besonderem Maße gefordert wird, nämlich Verantwortung zu übernehmen und soziale Kompetenz. Das Leben in einer Gemeinschaft ist sicher der beste Weg, diese Fähigkeiten auszubilden und zu entwickeln. Organisierte Gemeinschaft ist im Zeitalter der Kleinfamilie und der weitgehend von der momentanen Lust abhängigen Freizeitgestaltung für unsere Kinder rar geworden.

Als wesentliche Mittel zu dieser Erziehung im umfassenden Sinn stehen Beziehung und Struktur im Vordergrund, wobei die Strukturen durch unsere Traditionen, Rituale und Ordnungen gesetzt werden, die wir weitgehend gemeinsam mit den Schülern erarbeiten. Der Begriff der  „Therapie des geordneten Alltags“ fasst die Wirkung dieser Ordnung kurz und prägnant.

In diese Struktur eingebettet wirkt die Beziehung zwischen Kindern und Erwachsenen, deren Grundlagen Annahme und Wertschätzung sind, aber auch die Beziehung der Kinder untereinander als wesentliches Medium der Erziehung. Struktur allein ist „regulativ und restriktiv“, Beziehung allein „singulär und beliebig“: Beides zusammen schafft die Atmosphäre, in der Förderung und Wachstum der Person stattfinden.

Dies verlangt nach engagierten und professionellen Mitarbeitern, die sich auf Beziehung einlassen und die Strukturen aufrechterhalten sowie diese gemeinsam mit den Kindern erarbeiten und nötigenfalls an veränderte Bedingungen anpassen, Mitarbeitern die sich der Orientierung unserer Einrichtungen verpflichtet fühlen.

Wesentlich ist, und das macht uns unverwechselbar, nicht nur die Förderung der individuellen Begabung, sondern deren Sozialverpflichtung. Dies heißt, dass wir die Kompetenzen unserer Schülerinnen und Schüler und die Bildungs- und Erziehungsarbeit unserer Häuser als Beitrag begreifen, sie zum Wohl der Menschen, für Frieden und Gerechtigkeit und zur Bewahrung der Schöpfung einzusetzen.  

Und schließlich: Evangelische Internate sollen Internate für alle sein, nicht exklusiv. Das heißt, sie sollen durch die Unterstützung der Träger und durch die Zusammenarbeit mit der Jugendhilfe bezahlbar sein. Sie sind somit „offene Kirche“, Kirche in der Gesellschaft, Kirche, die unsere Jugend erreicht.

Aus: M. Kleemann, S. Mäder, Der große Internateführer, Unterwegs Verlag 2008/2009.


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Es geht nicht darum, eine gesellschaftliche Elite heranzuziehen.

aus einem Interview mit Gert Hilscher

Welche pädagogischen Konzepte werden in Evangelischen Internaten verwirklicht und worin unterscheiden sich Evangelische Internate von staatlichen beziehungsweise katholischen Schulen?

Hilscher: Evangelisch heißen diese Schulen aus verschiedenen Gründen: Sie wurden gegründet und werden getragen von Evangelischen Landeskirchen, Kirchenkreisen- und Gemeinden, von Schulstiftungen oder Schulvereinen. „Evangelisch“ verweist auf die Motivation der Pädagogen und auf den Versuch, der weltanschaulichen Vielfalt eine Erziehung gegenüber zu stellen, die sich an den Kernaussagen des Evangeliums orientiert.

Die Internate waren bei ihrer Gründung meist Antworten der evangelischen Kirche auf pädagogische Herausforderungen und Bedürfnisse der Zeit und der jeweiligen Region. So haben sich unterschiedliche Schwerpunkte ergeben und im Laufe der Zeit entwickelt. Heute gibt es sehr individuelle pädagogische Profile unserer Internatsschulen.

Gemeinsam ist allen den Einzelnen so anzunehmen, wie er ist, die unbedingte Respektierung seiner Person. Den Einzelnen da abzuholen wo er ist, ihm keine Passform überzustülpen, um ihn zu egalisieren, sowie die Förderung des Einzelnen als Teil einer Gruppe.

Stehen Evangelische Internate auch für andere Konfessionen offen?

Hilscher: Evangelisch ist im Sinne des Evangeliums nicht als konfessionelle Abgrenzung zu verstehen, im Gegenteil, unsere Internatsschulen sind somit selbstverständlich auch für andere Konfessionen offen.

Was bieten Evangelische Internate über den Schulabschluss hinaus an Qualifikationen?

Hilscher: Kinder und Jugendliche erhalten in unseren Einrichtungen nicht nur eine gute schulische Ausbildung, sondern lernen auch das, was von ihnen im späteren Berufsleben in besonderem Maße gefordert wird, nämlich Verantwortung zu übernehmen und soziale Kompetenz.

Das Leben in einer Gemeinschaft ist der beste Weg, diese Fähigkeiten auszubilden und zu entwickeln, denn so wie man Schwimmen nur im Wasser lernt, so lernt man soziale Fähigkeiten nur in einer Gruppe. Gruppenerfahrungen sind im Zeitalter der Kleinfamilie und der weitgehend von der momentanen Lust abhängigen Freizeitgestaltung unserer Kinder rar geworden.

Daneben werden auch weitere Qualifikationen vermittelt. Das reicht von sozialen, ökologischen, politischen, musischen und sportlichen Angeboten bis zu wissenschaftlichen und technischen Schwerpunkten.

Wie sehen sich die Pädagogen, mehr als Freund oder mehr als Autoritätsperson?

Hilscher: Der Schlüsselbegriff in diesem Zusammenhang scheint mir „Respekt“ zu sein. Respekt deswegen, weil ich glaube, dass der gegenseitige Respekt, der des Jugendlichen oder Kindes gegenüber dem Erwachsenen und der des Erwachsenen gegenüber dem Kind, das Miteinander bestimmen sollte. Wenn wir als Erwachsene den Kindern und Jugendlichen mit Respekt begegnen, dann bekommen wir diesen Respekt auch zurück. Respekt meint für mich, Achtung und Annahme der Person in seiner Individualität.

Hinzu kommt natürlich, dass wir als Erwachsene uns darüber im Klaren sein müssen, dass wir mit dem, was wir tun, wie wir es tun und vor allen Dingen warum wir es tun, den Kindern und Jugendlichen ein Vorbild geben. Das bedeutet, dass die Motivation unseres Handelns von entscheidender Bedeutung ist. Hier können wir als evangelische Pädagogen sicher von einer besonderen Basis ausgehen.

Es ist also nicht eine Frage von Freund oder Autoritätsperson, vielmehr eine Frage von grundlegender Motivation. Dann kann ein Pädagoge im täglichen Miteinander mal das Eine, mal das Andere sein.

Inwiefern werden Eltern einbezogen?

Hilscher: Elternarbeit ist ganz wichtig, die Schüler und Schülerinnen kommen ja zu uns, und lassen ihre Familiengeschichten nicht zurück. Hier ist besondere Professionalität wichtig, die Familiengeschichten spielen in unserem Internatsalltag eine größere Rolle als wir oft meinen.

Haben auch Schülerinnen und Schüler aus sozial schwächeren Schichten die Möglichkeit, ein evangelisches Internat zu besuchen?

Hilscher: Ja, das ist uns ein besonderes Anliegen. Die Aufnahme in ein evangelisches Internat sollte nicht am Geld scheitern. Die Preise Evangelischer Internate sind im Durchschnitt niedriger als die vergleichbarer anderer Anbieter, die katholischen Internate einmal ausgeschlossen.

Hier engagieren sich die Träger oft auch mit der Vergabe von Stipendien, oder die Einrichtungen haben selber entsprechende Stipendienmittel zurückgelegt. Auch Jugendämter arbeiten gerne mit unseren Einrichtungen zusammen und finanzieren Aufenthalte von Kindern und Jugendlichen in Evangelischen Internaten.

Verstehen sich Evangelische Internate als Elite-Schmiede?

Hilscher: Es geht nicht darum, eine gesellschaftliche Elite heranzuziehen, vielmehr geht es darum, die Veranlagungen und Begabungen eines Jeden so zu fördern, dass für den Einzelnen das Beste erreicht wird und dies natürlich auch im Interesse der Gemeinschaft. Die soziale Verpflichtung der Begabungen ist uns ein wichtiges Anliegen.

An staatlichen Schulen mangelt es oft an Ausstattung, zudem fallen häufig Unterrichtsstunden aus? Wie ist die Situation in evangelischen Internatsschulen?

Hilscher: Der deutliche „Anmeldedruck“ auf unsere Schulen stellt quasi eine „Abstimmung mit den Füßen“ der Eltern dar. Kaum eine unserer Schulen kann so viele Kinder aufnehmen, wie in die Schule wollen. Der Grund dafür ist neben den bereits beschriebenen inhaltlichen Gründen, die Ausstattung und die Organisation der Schulen. Auch wenn sich die personelle Ausstattung im Wesentlichen nach den Vorgaben der Länder richtet, ist so etwas wie Unterrichtsausfall die Ausnahme.

Inwiefern werden Jugendliche mit besonderen Begabungen gefördert?

Hilscher: Zur Begabtenförderung möchte ich auf das verweisen, was ich weiter oben gesagt habe. Die Konzepte der einzelnen Schulen sind sehr unterschiedlich, es gibt evangelische Internate, die spezielle Begabungen fördern (musische, sportliche, soziale, wissenschaftliche), auch gibt es Förderung für Hochbegabte. Hier gilt es sich individuell kundig zu machen, welches der evangelischen Internate für das jeweilige Kind das richtige ist.

Was ist nach Ihrer Ansicht das wichtigste, was Erwachsene den jungen Menschen mit auf den Weg geben können?

Hilscher: Eine psychisch gesunde und stabile Persönlichkeit und eine geistige Orientierung, die sich den Grundwerten des Evangeliums verpflichtet weiß. Wenn wir diese Aufgabe der Orientierung nicht übernehmen, werden andere kommen und das tun.

Meist befinden sie sich in ländlichen Regionen. Warum gerade hier?

Hilscher: Dies ist aus der Zeit heraus zu erklären, in der die meisten Internate gegründet wurden, beziehungsweise ihre Wurzel haben. Es war der Geist der Reformpädagogik und Jugendbewegung, in der die urbane Kultur als schädlich für die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen angesehen wurde. Auch heute hat dieser eher ländliche Charakter vieler unserer Internate einige unbestrittene Vorteile.

Für die Entwicklung insbesondere unserer jüngeren Mädchen und Jungen ist eine solche Umgebung sicher förderlich. Aber auch viele ältere Schülerinnen und Schüler suchen bewusst die Distanz zum städtischen Umfeld, um sich besser auf ihr schulisches Arbeiten konzentrieren zu können.

Gert Hilscher, Vorsitzender der Evangelischen Internate in Deutschland.

Aus der Prager Zeitung vom 12.02.2004. Mit Gert Hilscher sprach Bernd Rudolf.


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Persönlichkeit entwickeln - Verantwortung übernehmen - Lernen lernen. Pädagogische Angebote der evangelischen Internate

Internate bieten Schülerinnen und Schülern anderes und mehr, als eine Erziehung in der Familie und an normalen Halbtages- oder Tagesschulen leisten kann. Gerade in einer Zeit der Ein-Eltern-Ein-Kind-Familie bzw. Zwei-berufstätige-Eltern-Ein-Kind-Famile machen Jugendliche in einem Internat wertvolle persönliche Erfahrungen im Umgang mit anderen Jugendlichen und Erwachsenen, die im späteren Leben vorteilhaft sind. Internate setzen einen Contrapunkt zu gesellschaftlichen Entwicklungen der Vereinzelung. Sie fördern und begleiten Jugendliche in einer schwierigen Lebensphase der Identitätsfindung mit einem eigenständigen Erziehungsangebot, das die Erziehung in der Familie ergänzt, strukturbedingte Erziehungsdefizite von Kleinfamilien ausgleicht und biographisch belasteten Jugendlichen eine neue Chance gibt.

Ziel der pädagogischen Arbeit im Internat ist die Stabilisierung und Unterstützung der Entwicklung der Persönlichkeit auf dem Weg des Erwachsenwerdens sowie die Förderung von Verantwortungsbereitschaft für andere. In einer Zeit, die durch wachsende Individualisierung und Privatisierung gekennzeichnet ist, üben Internate Solidarität und gemeinsames Leben ein.
»Ich war auch auf dem Internat«, sagen viele Väter und Mütter bei Aufnahmegesprächen, »und es hat mir sehr gut getan. Aber damals war das noch ganz anders, alles war noch viel strenger und wir waren zu fünft auf einem Zimmer.« Manche Väter berichten noch von Schlafsälen, die der zuständige Erzieher durch eine Glasscheibe jederzeit beobachten konnte.
Doch diese Zeiten sind vorbei. In evangelischen Internaten und Heimen leben Schülerinnen und Schüler in der Regel in Zweibettzimmern zusammen, oft auch in Einzelzimmern. Klare Regeln gibt es immer noch, aber die sind diskutierbar und auch veränderbar.

In evangelischen Internaten übernehmen Schüler Verantwortung für die Gestaltung des gemeinsamen Zusammenlebens. Sie engagieren sich in Gremien (Internatsrat, Internenvertretung, Essensausschuss), als Haussprecher oder als Helfer, die Verantwortung für das Leben im Haus und für jüngere Schüler übernehmen. Sie sind zuständig für die Sauberkeit im Haus, die Pflege des Biotops oder das Einsammeln des monatlichen Beitrags für das indische Patenkind. Auf Hausversammlungen lernen Jugendliche, die Konflikte des täglichen Zusammenlebens zu lösen und Spannungen auszuhalten. Sie beratschlagen, welche Regeln für das gemeinsame Leben gelten sollen und wie Probleme gelöst werden können. An vielen Internatsschulen in evangelischer Trägerschaft werden den Schülern, internen und externen, mehr Mitbestimmungsrechte zuerkannt als an staatlichen Schulen.

Internate bemühen sich, dass ihre Schüler ‘das Lernen lernen’. Dies geschieht zum Teil in speziellen Kursen, zum größeren Teil aber durch Lehrkräfte der Schulen, die bei der Hausaufgabenbetreuung mithelfen und sich individuell um die Jugendlichen kümmern.

Um die Persönlichkeitsentwicklung ganzheitlich zu fördern und einen Ausgleich zur weitgehend intellektuellen Ausbildung in der Schule zu schaffen, bieten Internate eine Vielzahl von Arbeitsgemeinschaften aus dem musischen, sportlichen und handwerklichen Bereich an. Theater, Chor und Musik spielen an vielen Internatsschulen traditionell eine wichtige Rolle. An einigen Schulen mit Internat werden diakonische Praktika oder Diakonie als Fach angeboten. Viele Anlässe dienen dazu, die eigenen Fähigkeiten zu erproben, Talente herauszufordern und neue Entdeckungen mit sich und anderen zu machen; angefangen bei der Organisation gemeinsamer Feste und Tanzveranstaltungen über Hilfsprojekte, der Organisation einer Ausstellung oder einer Fahrradtour, bis hin zum eigenständigen Durchführen von Sport-AGs, Turnieren (Sport, Schach, Dart etc), Computerkursen und ähnlichem.

In vielen Internaten sind der regelmäßige Besuch und die Mitarbeit an der Gestaltung von Gottesdiensten, Andachten vor dem Frühstück, am Gebet vor und nach den Mahlzeiten verpflichtend. In andern Internaten sind diese verpflichtenden religiösen Formen seit Ende der sechziger, Anfang der siebziger Jahre durch freiwillige Angebote ersetzt worden. Viele Internatsleiter sind traditionellerweise Pfarrer. Sie leisten auch seelsorgerliche Arbeit und runden die pädagogische Arbeit durch Möglichkeiten zur Auseinandersetzung mit religiösen Fragen ab.

Steffen Schramm

http://www.pfarrerblatt.de/text_18.htm


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Evangelische Internatsschulen

von Udo Beenken

Wenn wir die 35 allgemein bildenden evangelischen Internatsschulen auf einer Deutschlandkarte markieren würden, wäre erkennbar, dass diese Internatsschulen sich vom Süden, vom Bodensee (Gaienhofen) und den deutschen Alpen (Berchtesgaden), bis in den hohen Norden (Potsdam, Rostock) über unser Land verteilen. Allerdings würden die südlichen und westlichen Bundesländer durch die meisten Markierungen hervortreten. Diese Karte macht sichtbar, dass es nicht um ein flächendeckendes Angebot geht; an diesen 35 Orten, meistens in ländlicher Umgebung, einige großstadtnah, realisieren die evangelischen Kirchen exemplarisch, regional eingebunden, aber durch die Internate überregional orientiert, eine besondere Bildungs- und Erziehungsarbeit.

Evangelisch heißen diese Internatsschulen aus verschiedenen Gründen: Sie wurden gegründet und werden getragen von Landeskirchen, Kirchenkreisen und -gemeinden, von Stiftungen oder Schulvereinen, bei einigen reichen die Wurzeln weit bzw. tief bis in die Reformationszeit. Evangelisch ist im Sinne des Evangeliums nicht als konfessionelle Abgrenzung zu verstehen, im Gegenteil, die Internatsschulen sind Stätten einer "offenen Kirche", einer "Kirche für andere". Die Aufnahme ins Internat ist nicht an eine Konfession gebunden. "Evangelisch" verweist auch auf die Motivation der Pädagogen und auf den Versuch, die biblische Tradition als Basis für Orientierung, für Verständigung und für Verantwortung (also geistlich, sprachlich und praktisch) zeitgerecht und jugendgemäß zu buchstabieren und so das Leben der Heranwachsenden nicht zu dirigieren, sondern zu begleiten. Es ist deshalb nicht überraschend, wenn alle 35 Internatsschulen mit evangelischer Trägerschaft ein individuelles Profil haben; sie sind unverwechselbar und antworten flexibel auf die unterschiedlichen Bedürfnisse der Gegenwart und Zukunft.

Erziehung in diesen Internatsschulen heißt dann, einfach gesagt: das Zusammenleben lernen und das Lernen lernen, dies im Zusammensein Tag und Nacht, in überschaubaren Internatshäusern und Schulen mit einem geordneten Alltag, in persönlicher Atmosphäre. So ist es kein Wunder, wenn Internatsschüler ein zweites Zuhause finden. Über die angestrebten Schulabschlüsse hinaus wird das Wirklichkeit, was die UNESCO als Erziehungsziele benannte: "Kreativität, Sozial- und Handlungskompetenz". Die Internatsschüler sollen selbstständig und verantwortungsfähig werden. Diese Internate sind keine Inseln, sondern weltoffen, mit der Gegenwart solidarisch, mit den Bedürfnissen, Nöten und Hoffnungen der heutigen Jugendlichen sehr vertraut; in den Internatsjahren bilden sich lebenslang anhaltende Freundschaften, sie bleiben "ihrem Internat" auch später verbunden.

Evangelische Internate sind keine Jugendhotels, sondern Teil einer Internatsschule; wichtig ist, die anerkannten Schulabschlüsse zu erreichen. Die Wege dorthin sind unterschiedlich, die evangelischen Kirchen haben keine eigene Schulform gegründet, aber sie gestalten die Schullaufbahn durch besondere Schwerpunkte des Unterrichts, durch Projekte und Praktika, durch Arbeitsgemeinschaften und Schulpartnerschaften, durch gezielte Betreuung und Förderung Jugendlicher mit besonderen Bedürfnissen und Begabungen. Wichtig ist, dass die Pädagogen des Internats mit den Lehrern der Schule kooperieren.

Eltern sind diesen Internatsschulen nicht nur zahlende Kunden; sie sind Partner und Teilhaber. Diese Internate wollen die Familienerziehung nicht ersetzen, sondern ergänzen, der Kontakt mit dem Elternhaus soll sich nicht nur auf Sprechtage, Heimfahrten und Ferien beschränken. Eltern geben ihre Kinder nicht ab, sondern sie vertrauen sie diesen Internaten an. Dem widerspricht nicht, dass einige Internatsschulen im Rahmen der staatlich geregelten Jugendhilfe das Elternhaus ersetzen müssen.

Internatsschulen sind personalintensive Unternehmen. Deshalb sind auch für kirchliche Internate Beiträge der Eltern unverzichtbar. Es entspricht aber den schon erwähnten Modellen einer "offenen Kirche" und einer "Kirche für andere", wenn evangelische Internate bezahlbare Internate sind und bleiben; das ist möglich durch das finanzielle Engagement der Kirchen; andererseits bieten diese Internate Stipendien bzw. Teilstipendien, dies macht diese Internate zugänglich für viele.

Wenn man es auf einen Nenner bringen will: Evangelische Internatsschulen wollen exemplarisch für Jugendliche im Schulalter: die Bildung des Einzelnen als individuellen Prozess, gleichzeitig die Verantwortungskompetenz des jungen Menschen und die "Sozialverpflichtung seiner Begabung". Wenn man es biblisch ausdrücken will: "... damit das Salz der Erde nicht dumm wird!"

Udo Beenken †2000


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Abschied vom Klischee. Wie Leben und Lernen im Internat nicht ist

Kein Schloss Einstein…

Sie heißen Tim, Karl, Klößchen und Gaby und sind als TKKG bekannt. Sie wohnen in einer Internatsschule in der Nähe der Landeshauptstadt und erleben täglich Abenteuer, die in vielen Kinderbüchern nachzulesen sind. Dass sie auch den Unterricht besuchen, erfährt der junge Leser nur selten; allenfalls von der Volleyball-AG ist die Rede.

Tim und Klößchen wohnen auf einem Zweierzimmer, das sie das Adlernest nennen. Zu allen möglichen und unmöglichen Zeiten verlassen sie - erlaubt oder heimlich – das Internat, um schwierige Kriminalfälle zu lösen und andere Abenteuer zu erleben.

… kein Gefängnis, keine Klosterschule …

Eltern hingegen haben nicht selten Befürchtungen, das Leben im Internat könne eher einem Gefängnis oder einer Klosterschule gleichen: von hohen Mauern umgeben müssten sich die Schülerinnen und Schüler strengen Riten und Ordnungen unterziehen und nur in den Ferien dürften sie nach Hause abreisen.

Das Leben im Internat sieht aber ganz anders aus. Zwar gibt es auch feste Regeln und Zeiten, die das tägliche Leben in einem Internat regeln. Diese gleichen aber sehr den Gewohnheiten, die auch zu Hause in der Familie selbstverständliche Gültigkeit haben. Außerdem ist eine häufige Heimfahrt möglich.

… kein täglicher Freizeitpark …

Auf der anderen Seite ist das Internat kein Erlebnispark, und nicht an jedem Tag findet ein spannendes Unterhaltungsprogramm statt. Vielmehr ist das Leben in einem evangelischen Internat stark auf die Schule ausgerichtet. Auch am Nachmittag sind deshalb feste Zeiten für die Anfertigung der Hausaufgaben vorgesehen. In der Freizeit gibt es ein Angebot an Arbeitsgemeinschaften aus den Bereichen Musik, Sport und Hobby. Für Schüler wie Tim, Karl, Klößchen und Gaby, die gern in ihrer Freizeit aktiv sind, ist ein Internat zwar sicher eine attraktive Einrichtung, aber das Büffeln für die Schule, die Misserfolge bei Klassenarbeiten und die anderen unangenehmen Seiten des Schullebens wirken auch in das Internat hinein und müssen dort aufgefangen und verarbeitet werden. Dennoch: Vor allem Kinder und Jugendliche, die sich gern in ihrer Freizeit für ein Hobby engagieren und Freude am Zusammenleben mit Gleichaltrigen haben, fühlen sich im Internat wohl und bleiben mitunter bis zum Ende ihrer Schulausbildung.

… aber eine wertvolle Zeit der persönlichen Reifung

Viele ehemalige Schülerinnen und Schüler, die heute im Berufsleben stehen, sind froh, dass ihnen in ihrer Jugendzeit die Chance einer Internatserziehung gegeben worden ist. Sie war eine wichtige Zeit der Ausbildung und persönlichen Reife. Mancher von ihnen überlegt, ob er auch seinen Kindern die Möglichkeit einräumen möchte, für einige Jahre im Internat zu leben und zu arbeiten. Auch wenn es ihm schwer fällt …

Horst Heller

 
letzte Aktualisierung 26.04.2013